Polyommatus coridon
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Archiv 2 zu Forum 2

Nein, ein Fossil der historischen Kulturlandschaft!
Antwort auf: Halbwüste? ()

Hallo Jürgen

sieht man heute solche Relikte der historischen Kulturlandschaft, dann tauchen Fragen wie deine fast zwangsläufig auf.

Man darf nie vergessen, dass es früher jahrhundertelang keinen "Natur- und Artenschutz" gegeben hat. Gerade die gemeinschaftlichen Viehweiden wurden in einer heute kaum mehr vorstellbaren Intensität beweidet (sie waren andererseits aber auch enorm weitläufig). In dem gezeigten Thüringer Naturraum waren die Aushagerungseffekte ("Devastierung") durch die Schafhute höchstwahrscheinlich so gewaltig und nachhaltig, dass der Aufwuchs dieser Flächen bis heute immer nur spärlich war/ist. Anders formuliert: die gezeigten Biotope/Habitate wurden in 2017 noch überhaupt NICHT beweidet.

Völlig utopisch ist übrigens in dieser Hinsicht das ebenfalls von C. briseis besiedelte Kahlköpfchen bei Roßdorf (Thüringen). Hier ist die Südseite eines großflächigen Muschelkalkrückens fast völlig vegetationslos (lückige und zerstreute, "kämpfende" Bromus erectus-Horste), - dies sind fast reine plattige Kalkschutthalden (sehr sehenswert)!

Anders als in der kapitalistischen früheren BRD, wo man derart große unproduktive Flächen mittlerweile überwiegend "in Wert gesetzt" (= aufgeforstet) hat, hat der DDR-"Arbeiter- und Bauernstaat" die historische Thüringer Schafhaltung mit ihren Huteflächen weiter stark subventioniert (Schafhaltungs-LPGs, vermutlich Export-Lammfleisch in die Bruderländer produzierend). Die Habitat-Kontinuität dauert also bis heute fort und mit ihr die Berghexen-Vorkommen.

Wer die hessisch-thüringische Grenze in der Rhön längs fährt, erlebt die physiognomischen Unterschiede der beiden früheren unterschiedlichen Agrar-Wirtschaftssysteme sehr beklemmend: im Westen ist buchstäblich alles "fetter", reglementierter, effektiver, im Osten - jenseits des Grünen Bands - tobt dagegen (noch) das Leben.

Genau so wie in Thüringen muss es übrigens auch im westlichen Mittelhessen (Lahn-Dill-Bergland, früheres "Wolle-Land") ausgesehen haben. Historische und ältere Faunen berichten von flächenhaftem häufigem Auftreten der Berghexe zwischen den Städten Gladenbach, Herborn und Dillenburg bis in die 1920er. Einige wenige, weniger große Habitatflächen benötigende Begleitarten der Berghexe sind hier bis heute noch nachweisbar (Spiris striata, Satyrium acaciae), andere verschwanden mit der Berghexe (zuletzt Anfang der 1960er: C. briseis, I. podalirius, B. circe).

Solche Landschaften finden sich aber auch noch in deinem Ländle, nur gegenüber Thüringen halt kleinflächiger (Münsinger Alb, Ostalb, u.a.v.a.O.).
Wundert mich daher ein klein wenig, dass du solche Fragen stellst.

Gerade verpuppen sich übrigens die ersten Hipparchia semele in einem sehr lockeren Bodengespinst. Wie gesagt: Bilder später.

So, jetzt will ich in den Wald. Es interessiert mich, ob Eupithecia immundata (und evtl. auch E. actaeata) auch in den Basaltwäldern des Hohen Westerwalds vorkommt.

viele Grüsse: Hermann

Beiträge zu diesem Thema

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Imagines, H. semele (Eiablagehabitat) *Foto*
Re: die Raupen...
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Re: Chazara-/Hipparchia-Raupensuche in Thüringen *Foto*
Re: Chazara-/Hipparchia-Raupensuche in Thüringen
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