Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Re: Gibt es noch die Sammler seltener Arten?

Hallo Volker,


Kann man Funddaten seltener Arten (RL 1) öffentlich machen, ohne Sorge zu haben, das jemand dann dort auftaucht um die letzten Lücken in seiner Sammlung zu füllen?

m. E. kommt das immer auf die Art und die Umstände an. Extremfälle sind z.B. die letzten bekannten Vorkommen einer Art in einem Staat oder Bundesland, deren Fundorte u. U. stark frequentiert werden könnten. Im Normalfall entsteht aber selbst durch diesen "Falter-Tourismus" keine ernsthafte Gefährdung der Art, diese ist - wie mein Vorredner bereits angemerkt hat - fast immer durch einen Mangel an geeignetem Lebensraum gegeben. Beispiele hierfür sind etwa größere, offene und intensiv beweidete Felslandschaften für den Roten Apollo oder großflächige Nieder- und Mittelwälder für den Eschen-Scheckenfalter oder den Gelbringfalter. Derartige Lebensräume existieren in Mitteleuropa aufgrund des Landnutzungswandels (fast) nicht mehr.

Denke eigentlich seit Jahren das muss doch tabu sein, eine nicht mehr vorhandene Sünde vergangener Zeiten, aber das ein oder andere, was ich gehört oder gelesen habe lässt mich daran zweifeln z.B.:
daß ich bei meinem Eintritt in den Verein meines Bundeslandes mit der ersten Rechnung auch eine schriftliche Sammelerlaubnis zugeschickt bekommen habe, oder Argumentationen las (weiß nicht mehr ob in Büchern oder im Netz) sammeln könnte eine Population nicht auslöschen, da bei den Reproduktionsmengen der Falter der ein oder andere nicht ins Gewicht fallen würde. Vollständiger Blödsinn in meinen Augen, RL1 Arten traf ich immer nur in Einzelexemplaren, niedrigster Dichte.
Dann hörte ich mal, studierte Wissenschaftler nehmen IMMER Belegexemplare.
Und dann möchte ich auch nicht die Skrupellosigkeit eines echten Sammlers unterschätzen.
zweifelnd
Volker

Das Sammeln von Arten/Individuen kann durchaus sinnvoll sein, gerade wenn es um Arten geht, die optisch nicht bestimmbar sind. Möglich wäre z.B. auch, dass aus einer Art aufgrund von genetischen Unterschieden zwei gemacht werden. Alte Nachweise sind dann nur über ein Belegexemplar zuordenbar. Dass es bei der Entnahme von Einzelexemplaren bleiben muss und die Tiere nicht kommerziell verwertet werden dürfen, versteht sich von selbst. Es gilt - wie mein Vorredner ebenfalls bereits erwähnt hat - dass vom Aussterben bedrohte Arten in geeigneten Lebensräumen durchaus häufig sein können, sodass hier die Entnahme einzelner Individuen nicht ins Gewicht fällt, solange nicht ein Sammeltourismus auf dieses Vorkommen entsteht (so offenbar in den 1970er-Jahren passiert beim letzten Vorkommen des Rotbindigen Samtfalters in Deutschland).

Wie bereits angeklungen, ist es enorm wichtig, dass Vorkommen vom Aussterben bedrohter Arten bekannt sind/bekannt gemacht werden. Nur auf diese Weise kann aktiv etwas für das Vorkommen/die Art getan werden, denn Nichtstun bedeutet in den allermeisten Fällen das absehbare Aus für die Population. Wichtig ist, dass Artexperten und Behördenvertreter eingebunden werden, um gemeinschaftlich ein entsprechend abgestimmtes Pflegekonzept entwickeln zu können. In vielen Fällen sind die entdeckten Vorkommen kleine Relikte ehemals großer, zusammenhängender Populationen, die aufgrund bereits stattgefundener Nutzungsänderungen/-aufgabe kurz vor der Extinktion stehen.

Für weitaus schlimmer als das Sammeln halte ich übrigens momentan das gezielte Aussetzen von vom Aussterben bedrohter Schmetterlingsarten, ohne dass deren Herkunft bekannt wäre. Derartige Fälle wurden in jüngerer Vergangenheit immer wieder bekannt. Der größte Teil der Ansalbungen ist sicherlich unbemerkt im Sande verlaufen, aber in manchen Fällen konnte sich ein Vorkommen über wenige Jahre halten. Dies führt dazu, dass neue Nachweise seltener Arten nicht mehr richtig eingeordnet werden können (autochthon oder nicht) und evtl. genetisch verschiedene Linien eingebracht werden, die dann u. U. auch noch durch staatlich geförderte Pflegemaßnahmen gestützt werden.

Viele Grüße Thomas

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