Polyommatus coridon
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Ausnahmen in der Wirtspflanzennutzung des Goldenen Scheckenfalters *Foto*

Hallo zusammen,

im württembergischen Allgäu nutzt der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) zu weit über 99 % den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) als Wirtspflanze vor der Überwinterung. Unter mehreren 1000 gefundenen Gespinsten fanden sich nur vier an anderen Pflanzen. Hierbei muss erwähnt werden, dass das Suchschema klar auf den Teufelsabbiss ausgerichtet war und somit Gespinste an anderen Wirtspflanzen möglicherweise unterrepräsentiert sind.

Die Nutzung alternativer Wirtspflanzen in Feuchtlebensräumen wird auch aus Bayern beschrieben. Vor allem der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) spielt regional eine wichtige Rolle. Diese Wirtspflanze konnte ich bisher einmal für das württembergische Allgäu belegen. Das große Gespinst befand sich an einer kräftigen Staude des Schwalbenwurz-Enzians, Teufelsabbiss war in der näheren Umgebung nicht nachweisbar, auf der Gesamtfläche aber sehr wohl.

Raupengespinst des Goldenen Scheckenfalters an Schwalbenwurz-Enzian, Deutschland, Baden-Württemberg, Vogt, Holzmühleweiher, 657 m, 28. August 2013, Tagfund (Freilandfoto: Thomas Bamann)

Ebenfalls aus Bayern erwähnt wird der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) als sporadische Wirtspflanze. Mir gelang bisher auch nur der Nachweis eines kleinen Gespinstes an Fieberklee. In der näheren Umgebung war Teufelsabbiss vorhanden, sodass die Raupen möglicherweise erst nach dem Schlupf auf den Fieberklee übergewechselt sind. Normalerweise sind Wuchsorte des Fieberklees zu nass, um für eine erfolgreiche Entwicklung von E. aurinia geeignet zu sein.

Raupengespinst des Goldenen Scheckenfalters an Fieberklee, Deutschland, Baden-Württemberg, Siberatsweiler, Langmoosweiher, 515 m, 04. August 2014, Tagfund (Freilandfoto: Thomas Bamann)

Die Vorkommenskombination E. aurinia/Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) ist in Baden-Württemberg höchst selten. Der sowieso schon seltene Lungen-Enzian wächst meist an Standorten, die dem Goldenen Scheckenfalter zu nass sind. Aus Bayern wird diese Wirtspflanze aber gemeldet. Am vergangenen Samstag gelang nun auch in Baden-Württemberg der Nachweis eines mittelgroßen Gespinstes an einem der gleichzeitig besten aurinia- und pneumonanthe-Standorte. Umgebend war kein Teufelsabbiss sichtbar, auf der Fläche allerdings vorhanden.

Raupengespinst des Goldenen Scheckenfalters an Lungen-Enzian, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzenbach, NSG Rothasweiher-Degermoos, 550 m, 13. August 2016, Tagfund (Freilandfoto: Thomas Bamann)

Heute gelang nun der Nachweis an einer weiteren, bisher auch aus Bayern nicht belegten Wirtspflanze. Auf einer im Wald gelegenen Fläche, auf der vor 3 Jahren noch kein einziges Raupengespinst nachgewiesen werden konnte, gelang der Nachweis von 21 Gespinsten, ohne dass sich die Fläche merklich verändert hätte. Diese Schwankungen sind ganz typisch für E. aurinia. Zwei der Gespinste befanden sich an Heilziest (Betonica officinalis). In der direkten Umgebung war kein Teufelsabbiss nachweisbar, auf der Fläche jedoch durchaus.

Raupengespinst des Goldenen Scheckenfalters an Heilziest, Deutschland, Baden-Württemberg, Niederwangen, Pfaffenberg, 579 m, 15. August 2016, Tagfund (Freilandfoto: Thomas Bamann)

Bleibt die Frage, ob die Gelege gezielt an diese Pflanzen abgelegt wurden oder ob die Raupen nach dem Abfressen des Teufelsabbiss auf angrenzende Pflanzen übergesiedelt sind. Wie oben bereits geschrieben, stellen diese Wirtspflanzen in Baden-Württemberg die absolute Ausnahme dar. Gespinste an Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), die in Bayern auch aus Feuchtgebieten genannt wird, konnten bisher in Baden-Württemberg nicht gefunden werden, obwohl regional geeignete Standorte vorhanden sind. Nach der Überwinterung öffnet sich das Wirtspflanzenspektrum der Raupen offensichtlich deutlich, wie das auch von anderen Scheckenfalter-Raupen bekannt ist.

Viele Grüße Thomas

Beiträge zu diesem Thema

Ausnahmen in der Wirtspflanzennutzung des Goldenen Scheckenfalters *Foto*
Schöner Beitrag! Danke! VG H.F. *kein Text*
Nachtrag Schwalbenwurz-Enzian *Foto* Bestimmungshilfe