Polyommatus coridon
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Archiv 2 zu Forum 2

Re: Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella *Foto*

Guten Abend

Was das Lepiforum doch alles zu leisten vermag!
Die erbauliche Geschichte von Cauchas rufifrontella und ihrer Reise von Sachsen über Baden-Württemberg in den Kanton Bern.

Den Anfang machten Friedmars Bilder dieser in der Schweiz bisher nicht nachgewiesenen Langhornmotte und die Idee, dass sich da vielleicht eine Zucht bewerkstelligen liesse.

Tatsächlich traf am 12. Mai nach nur zwei Tagen Versandzeit ein erstes, kleines Päckchen von Friedmar mit den vermuteten Nahrungspflanzen von C. rufifrontella bei mir ein. Der Zustand der Pflanzen war aber ziemlich unbefriedigend.

Darum wollten wir es noch einmal versuchen, diesmal mit einer grösseren Ladung an Pflanzen. Dass ein solches Riesenpack bei den Zollbehörden einfach so durchgehen würde, durften wir nicht annehmen. Also suchte ich ein grenznah wohnendes Forumsmitglied in Deutschland und fand Florian Nantscheff, der wenige Kilometer ausserhalb Basel daheim ist und sich spontan bereit erklärt hat, den Postvermittler zu spielen.

Am 19. Mai war es dann soweit. E-Mail von Florian: Paket eingetroffen. Sofort fuhr ich los und konnte zwei Stunden später das Paket in Empfang nehmen und dann problemlos in die Schweiz einführen. Die überwältigend grosse Menge an Pflanzen liess die Befürchtung aufkeimen, in den Biotopen von C. rufifrontella in der Lausitz seien die Pflanzen jetzt weitgehend ausgerottet.

Die Determination der Pflanzen durch einen Botaniker ergab, dass es sich um Bauernsenf, Teesdalia nudicaulis handelt, die es in der Schweiz nicht gibt.

Die schiere Menge der Pflanzen machte es vorerst unmöglich, in den Samenkapseln Raupen von C. rufifrontella zu finden. Anderes Getier konnte ich schon entdecken, etwa die Larve vermutlich eines Käfers in den Kapseln. Aussen an der Früchten sassen auch die Jungraupen von Anthocharis cardamines, welche ich bereits bei andern Zuchten von Adeliden an Kreuzblütlern als ganz unliebsame Zeitgenossen erlebt habe, fressen sie doch die Samenschoten mit samt den darin lebenden Eiern und Jungraupen von Langhornmotten kurzerhand auf.

Obwohl die Pflanzen sofort eingetopft wurden, welkten sie sehr rasch. Es war zu befürchten, dass die allenfalls darin lebenden Raupen von C. rufifrontella nicht genügend Zeit haben werden, sich so weit zu entwickeln, dass sie das Stadium erreichen können, in welchem sie natürlicherweise ein Gehäuse anfertigen und die Samenschoten verlassen. Wie sich dann am Gefässboden zwischen den Blumentöpfen auch noch eine winzige, nackte, in diesem Zustand nicht überlebensfähige Adelidenraupe zeigte, welche offensichtlich aus purer Not die gänzlich vertrockneten Fruchtstände der Nahrungspflanze verlassen hatte, schwanden die Hoffnungen auf einen Erfolg beträchtlich.

Daraufhin doppelte Friedmar am 6. Juni mit einer zweiten Sendung nach, die mit demselben Prozedere bei mir ankam. Anfang Juni waren die Pflanzen auch in der Natur aber schon mehrheitlich am Vertrocknen und die Samenkapseln waren aufgesprungen. Das war offensichtlich zu spät, die Raupen waren wohl alle bereits draussen.

Nun begann das Warten. Die Pflanzen beider Lieferungen wurden natürlich aufbehalten und – obwohl unterdessen völlig vertrocknet – regelmässig etwas feucht gehalten. Da Adelidenraupen nach Verlassen ihrer Kinderstube am Boden leben und sich mehrheitlich von Detritus ernähren, blieb die Hoffnung, dass sich im Pflanzengewirr versteckt und vorerst unentdeckt doch noch etwas entwickeln könnte.

Gestern war es dann so weit: Ein erstes, nur 4 mm grosses Raupengehäuse aus feinem Sand konnte zwischen den dürren Pflanzen auf dem Sandboden des Zuchtbehälters entdeckt werden. Es ist der Zuchtbehälter mit den Pflanzen vom 16. Mai. Die Freude ist gross, auch wenn die Zucht bis zum Falter damit noch keineswegs geglückt ist. Immerhin wissen wir jetzt einiges über die Biologie der Jungraupe. Und erste Fotos davon gibt es auch.

Diese Freude will ich teilen und hiermit auch für die grossartige Hilfe von Friedmar und Florian ganz herzlich danken. So macht das Forum Spass …

Gruss

Ruedi

Daten zu den Bildern: Cauchas rufifrontella, Deutschland, Sachsen, Oberlausitz, Neustädter Heide, 16. Mai 2016, aus Samenschoten von Teesdalia nudicaulis (leg. Friedmar Graf, cult. & Foto: Rudolf Bryner).

Beiträge zu diesem Thema

Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella *Foto*
Ulkig :) Die Flügel erscheinen mir immer wie bei der Wäsche "eingelaufen" :D
Re: Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella
Ja, Bauernsenf kommt hin. V.G. Friedmar *kein Text*
Dieses Jahr für mich Premiere… *Foto*
Re: Dieses Jahr für mich Premiere…, Gratuliere
Cauchas rufifrontella :)
Hast du schonmal nach den Raupen gesucht?
Re: Hast du schonmal nach den Raupen gesucht?
Re: Hast du schonmal nach den Raupen gesucht?
wie sagt man, probieren geht über studieren *Foto*
Re: wie sagt man, probieren geht über studieren
Re: wie sagt man, probieren geht über studieren
Klasse, dass du Blut geleckt hast :) Alles Gute für deinen Versuch! *kein Text*
Re: Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella
Re: Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella
Re: Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella
Wie schön :) Ich drücke ganz fest die Daumen! super *kein Text*
Re: Alle Jahre wieder, Cauchas rufifrontella *Foto* Bestimmungshilfe
Grenzüberschreitende Zuchtversuche - große Klasse, ich drücke alle Daumen! :) *kein Text*
Re: Großartiges Teamwork super Ich drücke euch alle verfügbaren Daumen! *kein Text*