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Bemerkungen zur Eucosma hohenwartiana Gruppe *Foto*

Hallo zusammen,

bei der Bestimmung meiner Eucosma-Belege musste ich mir auch mit der Eucosma hohenwartiana Gruppe auseinandersetzen.

2004 veröffentlichten AGASSIZ & LANGMAID in der Nota lepidopterologica 27, dass sich hinter Eucosma hohenwartiana noch zwei weitere Arten (Eucosma fulvana, Eucosma parvulana) verbergen.
AGASSIZ & LANGMAID (2004): The Eucosma hohenwartiana group of species (Tortricidae). — Nota lepidopterologica 27
Diese Arbeit ist unter
http://www.biodiversitylibrary.org/item/180208#page/43/mode/1up
zu finden.
In der Bestimmungshilfe des Lepiforums befinden sich nun die Artseiten dieser 3 Arten.

Ebenfalls findet man diese Arten in:
- J. NEL (Elne 2005), Atlas des Genitalia Femelles des Lépidoptères Tortricidae de France

- K.P. Bland & E.F. Hancock, Brill 2014, The Moths and Butterflies of Great Britain and Ireland, Vol. 5 (Part 2) - hier werden allerdings nur die alten Genitalzeichnungen von E. hohenwartiana und E. parvulana aus dem Werk von Razowski (J. RAZOWSKI (2003): Tortricidae of Europe, Vol. 2) gezeigt.
und
- bei der Dissection-Group
http://www.dissectiongroup.co.uk/page2135.html

Im Folgenden einige Fakten aus der Arbeit von AGASSIZ & LANGMAID
(Zitate oder sinngemäß)

- 2 Arten von unsicherem Status, die bisher als Synonyme zu Eucosma hohenwartiana galten, werden in den Artrang erhoben: Eucosma fulvana und Eucosma parvulana.
- Die bisherige Art Eucosma scutana wird als Synonym von Eucosma parvulana betrachtet und zu dieser Art gerechnet.
- Die 3 Arten gründen auf konstanten Unterschieden in der Struktur des weiblichen Ovipositors.
- Die weiblichen Genitalien von Eucosma hohenwartiana, Eucosma fulvana und Eucosma parvulana unterscheiden sich konstant. Das 8. Segment von Eucosma hohenwartiana ist länger und schmaler als bei den beiden anderen Arten und auch der Ovipositor ist länger.
- Die weiblichen Genitalien von Eucosma fulvana und Eucosma parvulana sind ähnlich, unterscheiden sich aber in der Größe.
- Die Falter von Eucosma parvulana sind kleiner (Spannweite 14 - 19 mm) als die von Eucosma fulvana (Spannweite 19 - 25 mm)
- Die Spannweite von Eucosma hohenwartiana (15 - 22 mm) überschneidet sich mit der von Eucosma parvulana, so dass aufgrund dieser Werte keine Unterscheidung möglich ist.
- Bei den männlichen Genitalien wurden Variationen festgestellt, aber keine, welche die Arten zuverlässig trennen.

An den weiblichen Genitalien sind folgende Abmessungen für die Artbestimmung maßgeblich:
(Genital von Eucosma hohenwartiana)

Daraus ergibt sich bei AGASSIZ & LANGMAID folgender Bestimmungsschlüssel:

1 Verhältnis Ovipositor (einschließlich der Apophyses posteriores) zu den Papillae anales (b/a) größer als 2,4 ...................................... E. hohenwartiana

Verhältnis Ovipositor (einschließlich der Apophyses posteriores) zu den Papillae anales (b/a) kleiner als 2,4 ............................................................ 2

2 Spannweite größer als 19,5 mm, Apophyses posteriores + Ovipositor (b) größer als 1 mm ................................................................... E. fulvana

Spannweite kleiner als 19,5 mm, Apophyses posteriores + Ovipositor (b) kleiner als 1 mm ................................................................ E. parvulana

Im Zweifelsfall kann noch die Länge des sklerotisierten Teils des 8. Abdominalsegments (c) herangezogen werden.

Mittelwerte bei:
E. hohenwartiana - 0,57 mm
E. fulvana - 0,49 mm
E. parvulana - 0,39 mm

So weit die Aussagen in der Arbeit von AGASSIZ & LANGMAID.

Unter diesen Gesichtspunkten konnte ich bei der GU meiner wenigen weiblichen Eucosma-Belege - die meisten sind Männchen - sowohl Eucosma hohenwartiana als auch Eucosma fulvana finden. (Ecosma parvulana Belege habe ich leider nicht):

Hier die Belegfotos mit den Genitalien:
(vergleiche mit den Abbildungen in der Arbeit von AGASSIZ & LANGMAID)

1. Eucosma hohenwartiana Weibchen

Deutschland, Baden-Württemberg, 78176 Blumberg, Ortsrandlage, Südhang, in Waldnähe (Buchen-Mischwald, Waldrand mit anschließendem Trespen-Halbtrockenrasen auf Kalk), 720 m, 27. Juni 2012, am Licht, (leg., gen.det. & Foto: Hans-Peter Deuring)

Genital des Falters

(gen.präp. & Fotos: Hans-Peter Deuring)

2. Eucosma fulvana

Deutschland, Baden-Württemberg, 78176 Blumberg, Ortsrandlage, Südhang, in Waldnähe (Buchen-Mischwald, Waldrand mit anschließendem Trespen-Halbtrockenrasen auf Kalk), 720 m, 17. Juni 2012, am Licht, (leg., gen.det. & Foto: Hans-Peter Deuring)

Genital des Falters

(gen.präp. & Fotos: Hans-Peter Deuring)

Warum ich das alles schreibe?

1. Ich möchte meine beiden Belege zur kritischen Überprüfung meiner Bestimmung zeigen. (Einwände bzw. Bestätigung erbeten)
2. Ich möchte zur Durchführung von GUs an Weibchen der Hohenwartiana Gruppe auffordern, um gesicherte Artfotos für die Bestimmungshilfe zu bekommen.
3. Ich möchte eine Diskussion über die Artseiten von E. hohenwartiana, E. fulvana und E. parvulana in der Bestimmungshilfe anstoßen.

Meine Gedanken zu den Artseiten in der Bestimmungshilfe:

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass nicht 100%ig richtig bestimmte Falter, mögen ihre Fotos noch so schön sein, in der BH von keinem Wert sind.
Gerade bei der Eucosma hohenwartiana Gruppe wäre interessant zu erfahren, wie die Bestimmung erfolgte.

1. Eucosma hohenwartiana
Auf dieser Seite werden 5 Falter ohne Geschlechtsangabe gezeigt. Es wäre von Interesse zu erfahren, nach welchen Kriterien und wie sicher diese Bestimmungen erfolgten.
Es ist mir schon klar, dass bei den Nummern 10, 11 & 12 das "det. Dr. Andreas Segerer" Gewicht hat.
Bei den 2 Männchen sollte die Bestimmung unsicher sein, wenn man AGASSIZ & LANGMAID folgt.
Bei dem Weibchen, das als Diagnosefoto gezeigt wird, wäre ein Foto des Genitals sowie seine Spannweite interessant.
Abbildungen des männlichen Genitals sind nach AGASSIZ & LANGMAID zur Bestimmung nicht hinreichend sicher.

2. Eucosma parvulana
Für die Genitalien der 2 Männchen gilt dasselbe wie bei E. hohenwartiana. Die Größe der Falter allein ist nicht entscheidend, da es auch kleine E. hohenwartiana gibt.
Die Genitalien der beiden Weibchen passen, und die Spannweiten - 14 und 15 mm - unterscheiden sie von E. fulvana.

3. Eucosma fulvana
Hier gibt es keine Bilder und somit auch nichts anzumerken.
Allerdings könnte dieser bilderlose Zustand vielleicht mit durch GU abgesicherte Diagnosefotos von Weibchen beendet werden.

Um Fotos von nicht sicher bestimmbaren Faltern der Hohenwartia Gruppe (Männchen und nicht genitalbestimmte Weibchen) nicht völlig zu verwerfen, könnte man vielleicht eine Artseite mit dem Titel "Eucosma Hohenwartia Gruppe" schaffen, wo diese gesammelt werden können.
Ich denke hier an das Beispiel der "Leptidea sinapis/juvernica Artkomplex Seite" in der BH, wo alle Fotos nicht genitalbestimmter Leptidea spec. eine Heimat gefunden haben.

Mit der Bitte um eine rege und kritische Diskussion des Themas,

schöne Grüße
Hans-Peter

Beiträge zu diesem Thema

Bemerkungen zur Eucosma hohenwartiana Gruppe *Foto* Bestimmungshilfe
Re: Bemerkungen zur Eucosma hohenwartiana Gruppe