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Extremes Schadbild durch die Posthornmotte (Tortricidae) *Foto*

Hallo Forum,

eine kurze Reise mit anderen Naturschützern in den Kalinigrader Bezirk (ehemaliges Ostpreußen) führte mich Ende August 2014 auch auf die Kuhrische Nehrung. Dabei haben wir auch den "Tanzenden Wald" besucht (gern - typisch russisch! - auch als "Betrunkener Wald" bezeichnet). Ich hatte mich schon im Vorfeld über diesen Besichtigungspunkt informiert und stieß auf vielerlei Erklärungsversuche zu den dort zu bestaunenden, verkrüppelten und extrem drehwüchsigen Kiefern. Was hatte man nicht alles vermutet: Bodenverseuchung durch militärische Chemikalien, Erdstrahlen, Radioaktivität, menschliche Manipulation junger Kiefernschösslinge etc. Ich hielt all diese Erklärungen aber überwiegend für Kaffeesatzlesen, bzw. für nicht ausreichend durchdacht. Fündig wurde ich erst nach längerem Gugeln bei einer Quelle aus Baden-Württemberg (Adresse ist mir leider entfallen), wo ein Herr sich sicher war, solch verkrüppelten Bäume wären das Werk der "Posthornmotte" (er kannte auch württembergische Standorte mit solchen Bäumen).

Der Name Posthornmotte war mir noch nie untergekommen, aber es stellte sich heraus, dass dies ein alter (und früher ganz üblicher Name) für den Kiefern-Knospentriebwickler (Rhyacionia buoliana) war.

Ja, und was das "Posthorn" in diesem Namen bedeutet, sahen wir dann beim Besuch dies Tanzenden Waldes

Befallsbild des Kiefern-Knospentriebwicklers (Rhyacionia buoliana)
(Russland: Kaliningrader Bezirk, Kurische Nehrung, "Tanzender Wald" 3 km N Rybachi, 15 m, 55.178865° 20.860799°, 23.08.2014., H. Falkenhahn (Fotos).

Auch russische Wissenschaftler sind zwischenzeitlich dem Täter auf die Schliche gekommen, wie der Ausschnitt aus der dort erreichteten Schautafel beweist.

Bemerkenswert ist bei diesem Schadbild, dass

a) der "Totalschaden" an den sehr jungen Bäumen erfolgt(e); man hier aber aufgrund fehlenden wirtschaftlichen Interesses die Bäume einfach durchwachsen ließ und sie nicht durch Neupflanzungen ersetzte (diese Methode erzeugte ungewollt eine Touristenattraktion),

b) ein R. buoliana-Befall nur auf bestimmte Waldbereiche beschränkt bleibt (aus der Erinnerung heraus würde ich den Tanzenden Wald auf max. 15 ha Fläche einschätzen) und somit wenig mit dem "Pestcharakter" z.B. eines Schwammspinnerbefalls gemeinsam hat. Das war es übrigens auch, was mich stutzig gemacht hatte und sofort an ein Befallssysmptom denken liess.

Ich denke, das dargestellte Befallsbild ist eine wertvolle Ergänzung für die Bestimmungshilfe.
Auf der Kurischen Nehrung sind generell alle Kiefern - egal ob gerade oder krumm - in erster Linie bedeutsam für die Festlegung der Dünen.

Das Entomologisieren während der kurzen Aufenthaltszeit in den Dünen der Nehrung brachten mir den Nachweis von Raupen der Hadena capsincola an Silene otites, während meine Hoffnung auf Hadena irregularis an Gypsophila fastigiata enttäuscht wurde. Hipparchia semele flog in großer Zahl (da es Ende August war, überwiegend nur noch Weibchen). Schön waren später die vereinzelten Nachweise von Haselhühnern in der Wäldern im Landesinneren.

viele Grüsse: Hermann

Beiträge zu diesem Thema

Extremes Schadbild durch die Posthornmotte (Tortricidae) *Foto* Bestimmungshilfe
und für die Baden-Württemberger...
Hadena capsincola: Raupe und Larvalhabitat (Ostpreußen) *Foto*
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