Polyommatus coridon
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Larvalhabitat von Hesperia comma in Kalkmagerrasen der Oberen Gäue *Foto*

Hallo Forum,
der Komma-Dickkopffalter besiedelt im Gegensatz zum verwandten Rostfarbigen Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) niemals hochwüchsige, "produktive" Säume oder Brachen. Er ist vielmehr ein spezialisierter Bewohner magerer Rasengesellschaften mit kleinwüchsigen Horsten meist schmalblättriger Magergräser, den Wirtspflanzen seiner Raupe. Je nach Geologie und Standort kann es sich bei den Habitaten um Sandmagerasen, Silikatmagerrasen, Borstgrasrasen, Kalk-Halbtrockenrasen bis hin zum Torf-Schafschwingelrasen auf entwässerten Mooren handeln. Obwohl sich die Pflanzengesellschaften der Fundorte in ihrer Artenzusammensetzung erheblich unterscheiden, folgt das Eiablage- und Larvalhabitat von Hesperia comma stets einem gut definierbaren Schema. Kennt man es einmal, fällt es im Allgemeinen nicht schwer, die relativ auffälligen Eier dieses Dickkopffalters im Spätsommer und Herbst zu finden. Seit Mitte der 1990er-Jahre kartiere ich diese Art primär durch Ei-Suche. Inzwischen kamen weit dabei über 1.000 Eifunde zusammen, die meisten davon stammen aus Habitaten in Baden-Württemberg, etliche auch aus Lebensräumen in anderen (Bundes-)Ländern.

Nachfolgend möchte ich das Larvalhabitat der Art in den Kalkmagerrasen der Oberen Gäue vorstellen (Oberer Muschelkalk). Zunächst ein Übersichtsfoto des hier typischen Lebensraums:

Bilddaten: Habitat von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Häufig handelt es sich bei den Fundorten um regelmäßig, sprich mehrmals jährlich beweidete Rasen, deren Vegetation zumindest auf größeren Flächenanteilen kurzgefressen ist. Schon bei Betrachtung des obigen Fotos ist zu erahnen, welche negativen Konsequenzen die heute in vielen Regionen stark nachlassende Intensität der Magerrasenbeweidung, nicht mehr allein für Berghexe oder Rostbinde, sondern inzwischen selbst für einst weitest verbreitete Arten, wie Hesperia comma, zur Folge hat.

Beachtet man allerdings nur das Falterstadium, wird dies nicht ohne weiteres deutlich. Die Imagines der Art haben einen recht hohen Nektarbedarf. Man trifft sie in den Oberen Gäuen häufig an etwas höherwüchsigen Stellen, wo Taubenskabiose (Scabiosa columbaria), Wiesen-Knautie (Knautia arvensis) oder Flockenblumenarten (Centaurea jacea, C. scabiosa) im Spätsommer bunte Blühfazies bilden. Auf der folgenden Fläche saugten zum Aufnahmezeitpunkt noch zwei späte Männchen Nektar an Taubenskabiosen:

Bilddaten: Nektarhabitat von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Doch wo, und vor allem wie findet man die Eier eines Gräserfressers? Bevor ich nach ihnen suche, achte ich zunächst mehr auf bestimmte Strukturen als auf die Wirtspflanzen selbst:

Bilddaten: Larvalhabitat von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Auf diesem Bild sind gleich drei Strukturelemente zu erkennen, deren Beachtung bei der Suche nach Hesperia comma-Eiern lohnend sein kann: nämlich Trampelpfade (Bildvordergrund), anstehende Stein- oder Felsplatten (vorne rechts) und schütter bewachsene "Störstellen", die durch das - heute leider viel zu zurückhaltend praktizierte - Ausstocken von Wacholderbüschen im Rahmen der Magerrasenpflege entstanden sind (Bildmitte).

Schauen wir uns aber zunächst eine in den Magerrasen eingestreute Felsplatte genauer an:

Bilddaten: Eifundstelle von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Aus einer Gesteinsspalte wächst ein junger, gut zugänglicher Horst des Schafschwingels (Festuca ovina agg.), der in wohl allen Kalkmagerrasengebieten wichtigsten Wirtspflanze des Komma-Dickkopffalters. Derart gut zugängliche ("prominente") Schwingelhorste verdienen bei der Ei-Suche der Art genauere Beachtung. In vielen Fällen sieht man ihnen – so wie hier - nicht auf den ersten Blick an, dass sie von einem Hesperia comma als Ablagemedium auserkoren wurden. Schauen wir also mal nach, was sich unter den Blättern dieses Festuca-Horstes verbirgt:

Bilddaten: Eifund von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014, Tagfund (manipuliertes Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Das Ei von Hesperia comma ist kalkweiß, vergleichsweise groß und von unverwechselbar halbkugeliger Form. Hier hat das Weibchen sein Ziel allerdings knapp verfehlt, denn die Ablage traf ein breitblättriges Blatt der Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum), die nach meiner Einschätzung keine Wirtspflanze von H. comma, sondern lediglich ein zufälliges Ablagemedium darstellt. Der im März schlüpfenden L1 dürfte es egal sein, denn ihre Nahrungspflanze – der kleine Schafschwingelhorst – ist für sie ja mühelos erreichbar.

Wie schon angedeutet sind Steine oder Felsplatten jedoch keineswegs ein "Muss". Ebenso attraktiv sind für eiablagewillige Weibchen vegetationsarme Störstellen, wie sie durch Viehtritt, Trampelpfade, Entbuschungsaktionen oder Feuerstellen entstehen. Auch an solchen Stellen findet man zwischen anderen Rohbodenpionieren junge, gut zugängliche Schafschwingelhorste:

Bilddaten: Eifundstelle von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Auch hier brachte das Wenden der Grasblättchen den Eifund:


Bilddaten: Eifund von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014, Tagfund (manipuliertes Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Beste Fundchancen verspricht selbstverständlich auch die Kombination aus Steinen und offenem Boden. Die Festuca-Pflanze in der Bildmitte dürfte für Hesperia comma-Weibchen durchaus einladend gewirkt haben:

Bilddaten: Eifundstelle von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Und wurde prompt belegt, wie diesmal auch ohne Manipulation der Pflanze zu erkennen ist:

Bilddaten: Eifund von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014, Tagfund (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Wenige Meter weiter war ein Festuca-Horst offenbar so attraktiv, dass er gleich doppelt belegt wurde:

Bilddaten: Eifunde von Hesperia comma, Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Aidlingen, beweideter Kalkmagerrasen auf Oberem Muschelkalk, 490 m, 7. September 2014, Tagfund (Freilandfoto: Gabriel Hermann)

Bevor das fragile Digitalgebilde dieses Beitrags wieder zusammenbricht, schließe ich diesen Teil ab.

Beiträge zu diesem Thema

Larvalhabitat von Hesperia comma in Kalkmagerrasen der Oberen Gäue *Foto* Bestimmungshilfe
Larvalhabitat von Hesperia comma in Kalkmagerrasen der Oberen Gäue - Forts. *Foto*