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Larvalhabitat von Carterocephalus palaemon und Ochlodes sylvanus im Schönbuch *Foto*

Hallo Forum,
nach dem gestrigen Dauerregen ist man ja schon froh, wenn es wenigstens mal ein paar Stunden lang (von oben) trocken bleibt. An Faltersuche ist bei dem heutigen Grau in Grau nicht zu denken. Aber zum Glück bieten sich zu dieser Jahreszeit ja eine Menge Möglichkeiten der Eier- und Raupensuche.

Wie man Raupen von Carterocephalus palaemon und Ochlodes sylvanus findet, brauche ich hier eigentlich nicht zu erklären, denn schon seit vielen Jahren kann man das alles nachlesen. Gelernt habe ich es aus den Beschreibungen von Erwin Rennwald im Grundlagenwerk "Die Schmetterlinge Baden-Württembergs" (Ebert & Rennwald 1991, Bd. 2). Zur Auffrischung und Anregung, die Raupensuche dieser Arten selbst mal auszuprobieren, ein paar Bilder:

Der Gelbwürfelige Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon) ist im Schönbuch eine typische Lichtwaldart, deren deutlichen Siedlungsschwerpunkt hier gut besonnte, innere Waldsäume bilden (breite Forstwegränder, Schneisen, Sturmwürfe, Kahlschläge). In Offenlandbiotopen findet man ihn viel seltener, wenn überhaupt, dann in gebüschreichen Brachekomplexen mit windgeschützten, produktiven, nicht jedoch stark eutrophierten Grassäumen. Eine typische Falterflugstelle, an der im Mai/Juni immer 5-10 Imagines der Art zu beobachten sind, zeigt das folgende Bild:

Bilddaten: Habitat von Carterocephalus palaemon, Deutschland, Baden-Württemberg, Schönbuch & Glemswald, Umgebung Hildrizhausen, Forstwegsaum an Kahlschlagrand, 500 m, 30. April 2011 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Es handelt sich um einen (noch) gut besonnten Forstwegsaum am Rand eines früheren Kahlschlags. Das Wegbankett wird auf 1-2 m Breite jährlich einmal gemulcht (u. a. Eiablagehabitat von Leptidea sinapis/reali, Maniola jurtina und Polyommatus semiargus), der angrenzende, ungemähte Gras- und Hochstaudensaum wird dagegen lediglich vom Rehwild verbissen.

Momentan sieht derselbe Wegsaum so aus:

Bilddaten: Larvalhabitat und Raupenfundstelle von Carterocephalus palaemon, Deutschland, Baden-Württemberg, Schönbuch & Glemswald, Umgebung Hildrizhausen, Forstwegsaum an Kahlschlagrand, 500 m, 13. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Obwohl ich nicht ausschließen will, dass sich Raupen von C. palaemon hier auch im Mulchstreifen finden, konzentriere ich mich beim Suchen dieser Art weitgehend auf Grashorste in nicht gemähten Flächen. Eine "klassische" Wirtspflanze von C. palaemon ist im Schönbuch das Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea), das im oben gezeigten Bildausschnitt jedoch fehlt. Dafür erkennt man im rechten Bildvordergrund links unterhalb der weißen Angelica-Blüte einen kräftigen Horst des Knäuelgrases (Dactylis glomerata). Und an diesem fand sich dann auch die Blatttüte einer Carterocephalus palaemon-Raupe:

Bilddaten: Blatttüte von Carterocephalus palaemon an Dactylis glomerata, Deutschland, Baden-Württemberg, Schönbuch & Glemswald, Umgebung Hildrizhausen, Forstwegsaum an Kahlschlagrand, 500 m, 13. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Typisch ist das aufgrund des Raupenfraßes geknickte Grasblatt. Dessen vorderen Teil hat die Raupe mit der abgetrennten Spitze eines zweiten Blattes zur Tüte versponnen. Das Abdomen des Tiers schaut aus der Öffnung heraus. Aufgemacht habe ich die Tüte nicht, die Raupe ist in der zur Aufnahme in die Bestimmungshilfe vorgeschlagen ja ausreichend bebildert.

Ochlodes sylvanus fliegt im Schönbuch nahezu in allen Habitaten von C. palaemon, darüberhinaus aber auch in zahlreichen Offenlandbiotopen, die ihm etwas Windschutz, Nektarpflanzen und produktive, möglichst selten gemähte bzw. nur extensiv beweidete Grassäume bieten. Bei der Raupensuche im Wald fällt die gegenüber C. palaemon viel höhere Schattentoleranz der Raupe auf. O. sylvanus-Tüten findet man z. B. auch regelmäßig bei der Suche nach Pararge aegeria-Raupen an nur mäßig besonnten bis fast vollschattigen Grashorsten. Die Art hat aber auch kein Problem mit starker Besonnung, wie das Foto einer heutigen Raupenfundstelle verdeutlicht:

Bilddaten: Larvalhabitat und Raupenfundstelle von Ochlodes sylvanus, Deutschland, Baden-Württemberg, Schönbuch & Glemswald, Umgebung Hildrizhausen, Jagdschneisen-Saum auf Sturmwurflichtung, 500 m, 30. April 2011 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Es handelt sich um eine Jagdschneise inmitten einer durch den Orkan "Lothar" entstandenen Sturmwurflichtung. Während die Umgebung inzwischen ein m.o.w. dichtes Vorwaldstadium erreicht hat (Larvalhabitat von u. a. Endromis versicolora, Apatura iris, A. ilia, Nymphalis polychloros), bietet die Mulchschneise noch einigen Krautschichtbewohnern der Tagfalterfauna Nektar- und Larvalhabitate (u. a. Boloria euphrosyne, Argynnis adippe, Pyrgus malvae, Coenonympha pamphilus).

Die Ochlodes sylvanus-Raupe fand sich in der ungemähten Brachypodium sylvaticum-Fazies am Nordrand der Mulchschneise (Bildmitte).

Bilddaten: Blatttüte von Ochlodes sylvanus an Brachypodium sylvaticum, Deutschland, Baden-Württemberg, Schönbuch & Glemswald, Umgebung Hildrizhausen, Jagdschneisen-Saum auf Sturmwurflichtung, 500 m, 13. September 2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Die "Tüte" ist in diesem Fall alles andere als auffällig. Aber irgendwie schmiegten sich die beiden Zwenkenblätter dann doch etwas unnatürlich eng aneinander. Weil ich unsicher war, wer sich dazwischen verbirgt, zog ich die Blätter auseinander, woraufhin sich dieser Anblick bot:

Bilddaten: L4 von Ochlodes sylvanus an Brachypodium sylvaticum, Deutschland, Baden-Württemberg, Schönbuch & Glemswald, Umgebung Hildrizhausen, Jagdschneisen-Saum auf Sturmwurflichtung, 500 m, 13. September 2014 (manipuliertes Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Viele Grüße
Gabriel

Beiträge zu diesem Thema

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Re: Tagfalterraupen Suchen im Herbst
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