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Rechtliche Grundlagen und politisches Wollen
Antwort auf: Aussetzen ()

Liebe Kolleginnen und Kollegen
in den Beiträgen in diesem Thema sind eine Menge Dinge geschrieben worden, die so nicht unkommentiert stehen bleiben dürfen.
Zunächst einmal, wer sich auf Gesetze beruft, sollte dies auf die aktuellen Gesetze tun. Alles andere ist Makulatur und in Deutschland haben wir seit Juli 2009 ein direkt geltendes Bundesnaturschutzgesetz, welches die vorher schon bestehenden Landesnaturschutzgesetze bezüglich des Artenschutzes ungültig werden ließ. Den Ländern bleibt die Möglichkeit, Landesgesetze zu erlassen für Ausführungen, Zuständigkeiten usw., die müssen dann aber neuer als Juli 2009 sein.

Fangen wir dem Kl. Fuchs an, als Vertreter aller nicht besonders geschützten Arten. § 44 BNatschG (Bundesnaturschutzgesetz) regelt, wie schon die Überschrift sagt: "Vorschriften für BESONDERS geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten". Diese Verbote gelten also nicht für den Kl. Fuchs! Es gibt aber noch den § 39 BNatschG, dort steht: "Es ist verboten ... wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder OHNE VERNÜNFTIGEN GRUND zu fangen, zu verletzten oder zu töten". Da Ausnahmen vom § 44 für Forschung und Lehre möglich sind, sollten dies vernünftige Gründe sein. Das Aussetzen von Tieren ist in § 40 BNatschG geregelt, demnach ist der "Einsatz von Tieren ... nicht gebietsfremder Arten" genehmigungsfrei. Ob Juristen unter "Einsetzen" und "Ausbringen" dasselbe verstehen, weiß ich nicht. Der Kl. Fuchs, der vor Ort als Raupe entnommen wurde, darf als Falter fliegen gelassen werden. DAS IST NICHT VERBOTEN und DAS IST VOM GESETZGEBER SO GEWOLLT! Was nicht gewollt ist, ist das Aussetzen von z. B. dem Osterluzeifalter in Deutschland, weil hier - offensichtlich ist nicht mit einer invasiven Art zu rechnen - die Forschung behindert werden könnte (vielleicht gab es die Art doch schon immer in Deutschland und wurde nur bislang übersehen usw.). Gebietsfremde Arten können ein Problem sein, ich selbst habe mal Raupen von Saturnia pavoniella im besten Glauben ausgesetzt und der pavonia-Population vor Ort sicher keine Freude gemacht und bestenfalls die Vögel gefüttert. Das ist verboten und das ist aus gutem Grund verboten. Aber jetzt darüber zu streiten, ob der Osterluzeifalter wieder ausgerottet werden muss, halte ich für albern. Und ja, die Ausrottung wäre genehmigungspflichtig, da es eine in der EU geschützte Art ist. Die Genehmigungspflicht ist sinnvoll, denn sonst könnte ja jeder Depp selbst entscheiden und handeln - was übrigens viel zu oft noch passiert.

Der Bieber ist zwar in eingiene Bundesländern wiederangesiedelt, ist aber eine ursprünglich heimische Art mit einem Existenzrecht auch in Bayern. Das ist zwar hin und wieder lästig und manchmal auch teuer, aber er gestaltet die Landschaft und schafft Natur und natürliche Gewässer gratis und spart hier viel Geld (siehe mal Wasserrahmenrichtlinie). Das ist nicht nur positiv, der DARF das und wir werden damit leben müssen und damit leben können.

Was das Stören angeht, so ist nur das "erhebliche Stören" bei streng geschützten Arten verboten und die erhebliche Störung liegt nur dann vor, wenn die lokale Population der Art dadurch verschlechtert wird. Meines Wissens gibt es Störungen rechtlich nur bei Wirbeltieren, das Fotografieren stand mal im Gesetz und war sicher speziell für die Vogelliebhaber gedacht, die ihre Kameras am Nestrand angeschraubt hatten. Kennt jemand einen einzigen Fall, wo eine Störung von Schmetterlingen durch Fotografen geahndet wurde? Ich gebe zu, ich habe vor dreißig Jahren auch mal in dieses Horn geblasen, aber damals war das wenigstens noch so dämlich formuliert. Aber das ist lange her und wird bis heute immdr wieder aufgewärmt. Gesetze ändern sich, manchmal auch zum Guten. Das haben wir im Naturschutz übrigens weitgehend der EU zu verdanken. Denkt daran, wenn ihr demnächst zur Wahl aufgefordert seid.

Die Rechtsprechung im Artenschutz ist kompliziert und ich verstehe auch nicht alles, trotzdem ich beruflich damit zu tun habe. Vieles könnte besser sein, aber es ist durchaus auch etwas Sinn in dieser Reglmentierung und man sollte nicht alles glauben, was andere verbreiten und nciht alles verdammen, was man nicht versteht. So wird in actias von Anbietern regelmäßig erwähnt, dass Schwalbenschwanzpuppen und -eier z.B. aus Frankreich nicht nach Deutschland geliefert werden, wegen dem Artenschutz. Wenn die Tiere legal in Frankreich der Natur entnommen wurden (und das ist in fast allen Departements zulässig), dann kann die besonders geschützte Art hier völlig legal ohne Genehmigung eingeführt und weitergezüchtet werden. Ich brauche nur eine Genehmigung für den Handel und - zum Glück - darf ich diese Falter hier nicht fliegen lassen. Das könnte dann wirklich ein Problem sein, aber gerade das wird von selbst ernannten Naturschützern (zu denen ich auch mal gehörte, daher darf ich meckern) leider als Heldentat gefeiert. Ach ja, bei Schweizer Schwalbenschwänzen ist das natürlich anders, das ist ja nicht mehr EU.

Alles klar? Wer hier ja sagt, lügt oder hat die Probleme noch nicht erkannt. Meine Bitte, wo ich schon mal beim Thema bin: Unterstützt die EU-Parteien, die wissen, dass Naturschutz und Landwirtschaft nicht Synonyme sind, sondern durchaus auch Gegensätze sein können. In Deutschland habe ich wenig Hoffnung für die Durchsetzung dieser Erkenntnis, bis dahin wird von unserem Grünland nichts erhaltenswertes übrig bleiben. Aber vielleicht wird die EU sein mächtigstes Mitglied zu seinem Glück zwingen können. Aber das geht nur mit einem Wählerauftrag. Die anderen Parteien haben die Unterstützung schon durch die Landwirtschaftslobby.

Grüße und falls ich jemandem auf die Füße getreten habe, das war keine Absicht. Der hier gewählte Adressat ist auch nicht mein Zielansprechpartner, aber irgendwo musste ich mich ja dranhängen.

Ernst

Beiträge zu diesem Thema

Zerynthia polyxena in Mainfranken!
Re: Zerynthia polyxena in Mainfranken!
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Re: Zerynthia polyxena in Mainfranken - bitte auslöschen!
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Bitte auslöschen! Ist das erlaubt?
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Re: Rechtliche Grundlagen und politisches Wollen Teil 2, jetzt mit Text
Teil 2, jetzt immer noch ohne Text. Irgendwo klemmts :) Liebe Grüsse *kein Text*
Re: Teil 2, wieder mal?
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Der gute Mann heißt Peter Schmidt und findet ständig Schillerfalter-Raupen :) *kein Text*
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Re: Rechtliche Grundlagen und politisches Wollen
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Re: Bitte auslöschen! Ist das erlaubt?
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Wiederansiedlungsprojekt P. apollo, C. myrmidone und I. podalirius!!!
Ach, weisst du, Olli
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Re: Wiederansiedlungsprojekt P. apollo, C. myrmidone und I. podalirius!!!
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Re: C. myrmidone
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Podalirius bräuchte dort Unterstützung, aber nicht so!
Re: Podalirius bräuchte dort Unterstützung, aber nicht so!
Kleine Berichtigung und schon wieder die Selbstbeweihräucherung
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Hinweis zur Zitierfunktion im Forum
Re: Hinweis zur Zitierfunktion im Forum
super :) *kein Text*
Re: Wiederansiedlungsprojekt P. apollo, C. myrmidone und I. podalirius!!!
Re: Wiederansiedlungsprojekt im Steinbruch und was daraus wurde
Re: Nackenhaare aus Beton!
Re: Wiederansiedlungsprojekt im Steinbruch und was daraus wurde
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Re: Zerynthia polyxena in Mainfranken! *Foto*
Das fehlende Foto *Foto*
Re: Zerynthia polyxena in Mainfranken!
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Re: Z. polyxena in Mainfranken 2016 Kopula *Foto*
Re: Z. polyxena in Mainfranken 2016 Kopula
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Re: Z. polyxena in Mainfranken 2016!
Re: Zerynthia polyxena in Mainfranken!