Polyommatus coridon
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Re: Fragen zur Präparationsmethodik *Foto*

Hallo Martin,

Ich wäre dankbar für ein paar technische Hinweise, vor allem welche(s) Färbemittel Du verwendest und wie man die Weibchen-Genitalapparate am besten reinigt ohne sie zu beschädigen.

Voraussetzung für eine gute Reinigung ist natürlich, dass das Abdomen genügend lange in 10 %iger Kalilauge mazeriert wurde.
Ich koche die Abdomen in der Kalilauge in einem Reagenzglas. Das ist nicht ungefährlich, da Kalilauge beim Kochen plötzlich stoßen kann und dann hochschäumt und aus dem Reagenzglas spritzt. Es gehört schon etwas Erfahrung dazu, damit das nicht passiert. (Lauge 2 - 3cm hoch (je nach vorgesehener Kochdauer), Reagenzglas mit Watte locker verschließen, schräg halten, immer leicht schütteln, immer nur kurz!! an die Flamme halten (ich verwende eine Lötlampe aus dem Baumarkt), die Öffnung zeigt nie auf den eigenen Körper ....) Mit der Zeit bekommt man die Sache dann schon in den Griff.
Kochzeiten:
Getrocknete Mikro-Abdomen je nach Größe 3 - 5 Minuten, größere Teile entsprechend länger bis 10 - 12 Minuten. (ausprobieren!)
Als Zeichen, dass genügend gekocht ist werte ich, wenn das am Anfang schwimmende Abdomen untergeht und keine Gasbläschen mehr hervortreten.

Wegen der Tücke der siedenden Kalilauge wird meist ein Erhitzen im Wasserbad vorgeschlagen. So z.B. auch in der Anleitung der Uni Salzburg im Web.:
http://www.uni-salzburg.at/pls/portal/docs/1/463439.PDF
Das geht länger und da ich darin keine Erfahrung habe, kann ich keinen Rat geben. Vielleicht kannst du aus der Anleitung aber die eine oder andere Anregung entnehmen.

Nach dem Kochen gieße ich die Lauge mit dem Abdomen in ein kleines Schüsselchen. Von dort wandert dann das Abdomen in eine flache Petrischale mit kurz zuvor abgekochtem Wasser. Durch das Abkochen vermeidet man das Entstehen von Luftbläschen während der Präparation, die sehr stören, wenn sie am Präparat selbst entstehen und es nach oben will. Das Wasser in der Petrischale sollte nur so hoch wie nötig sein.
Unter dem Bino öffne ich nun das Abdomen mit zwei Präpariernadeln (Abgeknickte Insektennadeln Nr. 1 in einem runden Holzschaft) an der Seite. Die eine hält fest, die andere reißt auf.
Jetzt kommt für weibliche Genitalien eine leichte Blaufärbung mit einer 1%igen Chlorazol-Schwarz E Lösung in Wasser. Dieses Färbemittel färbt nur die häutigen Teile, die chitinisierten Teile werden nicht gefärbt. Das Chlorazol-Schwarz E-Pulver zur Herstellung der Lösung bekam ich bei "bioform".

Bevor ich weiter erkläre zeige ich dir, wie ich die benötigten Chemikalien bereitstelle. Spiritus, Eisessig (fast 100%ige Essigsäure), Isopropanol, Chlorazol-Schwarz Lösung habe ich in kleine Einwegspritzen gefüllt, die in einem Holzklotz stehen.

Die kleinen runden Plastikdöschen links sind die Deckel von Kleinbildfilm-Behältern, die ich noch aus dem Analog-Zeitalter besitze. Diese dienen mir mit Alkohol gefüllt als Behälter zum Entwässern der Präparate vor dem Einbetten. Als Abdeckung dient ebenfalls so ein Deckelchen, damit der Alkohol nicht so schnell verdunstet. Natürlich können auch andere Behälter Verwendung finden, aber je größer diese sind, desto schwieriger ist es, das entwässerte Genital herauszufischen oder den winzigen Aedeagus eines Mikros überhaupt wieder zu finden.
Jetzt geht es aber weiter:
Zum Einfärben gebe ich einen ausreichend großen Tropfen Wasser auf einen Objektträger und in diesen Tropfen das seitlich geöffnete Abdomen.
Unter dem Bino spritze ich nun Chlorazol-Schwarz Lösung dazu und lasse diese nur wenige Sekunden unter leichtem Kneten des Abdomens mit der Präpariernadel einwirken. Dann wandert das Abdomen wieder zurück in die Petrischale mit Wasser.
Hier trenne ich nun die Hülle des Abdomens vom Genital, dessen nicht chitinisierte Teile und die Innereien jetzt hellblau und dadurch gut sichtbar sind. Dadurch ist die Gefahr kleiner, dass man den Ductus bursae mit der Bursa versehentlich abreißt, weil man diese durchsichtigen Teile nur schlecht oder gar nicht sieht.
Mit männlichen Genitalien geschieht das gleiche, nur ungefärbt.
Zum Putzen fische ich das Genital wieder aus dem Wasser. Auf einem Objektträger spritze ich Eisessig dazu und lasse ihn einwirken. Schuppen auf den männlichen Genitalien lösen sich jetzt und auch die häutigen Teile werden mürbe. Das Genital nicht eintrocknen lassen, sondern wenn nötig nachspritzen! Den Tipp mit dem Eisessig bekam ich übrigens von Helmut Kolbeck. Eisessig gibt es bei "Fiebig Lehrmittel".
Anschließend geht es wieder ins Wasserbad, wo die Reinigung zu Ende geführt wird. Die winzigen Genitalien der Mikros reinige ich aber meist in einem Wassertropfen auf einem Objektträger.
Ist das Genital sauber, d.h. sind die ebenfalls blau eingefärbten Innereien und Hautreste mit den Präpariernadeln entfernt (eine hält, die andere zupft), wird es auf einem Objektträger in etwas Wasser in die richtige Position gebracht (eventuell mit einem Deckgläschen bedeckt oder mit der Präpariernadel gehalten) und dann durch das Zuspritzen von Isopropanol einige Minuten gehärtet. Wichtig ist, dass das Präparat dabei nie austrocknet, da sonst Luftblasen in ihm entstehen. Isopropanol verdunstet sehr schnell, daher unter dem Bino beobachten und rechtzeitig nachspritzen.
Nun wandert das weibliche Genital zur Entwässerung bei mir für 2 - 3 Stunden in Spiritus und danach noch mehrere Stunden in Isopropanol. (Bei kleineren Genitalien kürzer, bei großen länger)
Männliche Genitalien gebe ich ungefärbt gleich in Isoipropanol.
Durch die Vorhärtung auf dem Objektträger behalten die Genitalien auch in dem Alkoholbad die gewünschte Form (z.B. Valven gespreizt), so dass sie beim Einbetten nicht noch gebändigt werden müssen und dann trotzdem doch eine unerwünschte Form annehmen.
Als Medium zum Einbetten verwende ich Euparal.
So, das wär's. Ist ja ein ganz schöner Roman geworden und ich habe sicher auch viel Bekanntes erzählt und Eulen nach Athen getragen.
Zum Schluss noch eine Anmerkung: Es gibt sicher noch andere Methoden, und jeder muss schauen, wie er zurechtkommt, und wie auch ich eigene (andere) Möglichkeiten ausprobieren. Ich denke, entscheidend ist das befriedigende Ergebnis.
Alles ist Übungssache und auch Geduld gehört dazu. Ich habe bis jetzt etwa 300 Genitalpräparate angefertigt, sicher kein Weltrekord. Aber es geschieht mit der Zeit immer seltener, dass man ein Präparat total vergeigt.
Falls noch etwas unklar ist, frage ruhig nach.

Viele Grüße
Hans-Peter

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