Polyommatus coridon
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Historische Betrachtung zur Genitaluntersuchung bei Schmetterlingen *Bild*

Hallo Forum,

aus historischem Interesse habe ich versucht, einige Informationen über die Geschichte der Genitaluntersuchung bei Schmetterlingen zusammenzutragen. Die Ergebnisse sind jedoch recht bescheiden, auch deshalb, weil ich keinen guten Überblick über die Literatur des 19. Jahrhunderts habe. Ein wenig konnte ich zwar herausfinden, es bleiben aber letztlich mehr Fragen offen als ich beantworten kann, daher hoffe ich auf weiterführende Hinweise aus den Reihen der Lepiforum-Community.

Als gesichert kann gelten:

- Bei Tagfaltern sind Beispiele des Einsatzes der GU für die Artbestimmung offenbar mindestens seit den späten 1830er Jahren bekannt (Rambur, Faune d’Andalousie, 1837-39), bei Nachtfaltern seit den 1850er Jahren (Lederer, die Noctuinen Europas, 1857, evtl. auch Zeller).
- Die Methode wurde anscheinend zunächst nur zögernd von wenigen Entomologen angewendet. Ein Beispiel findet sich bei Hofmann, Die deutschen Pterophorinen (1895).
- Die alten Standardwerke geben ein widersprüchliches Bild ab. So beschreibt Spuler 1908 in seinem Lehrbuch “Die Schmetterlinge Europas” im allgemeinen Teil insbesondere den männlichen Genitalapparat sehr ausführlich und bringt eine ganze Reihe Abbildungen. Er erwähnt auch Arbeiten, welche die Methode “mit großem Nutzen systematisch verwertet” haben und geht auf die Präparationstechnik ein. Im speziellen Teil fehlen jedoch Genitalabbildungen komplett, stattdessen ist das Flügelgeäder ausführlich berücksichtigt. Der “Seitz” kommt während seiner gesamten Publikationszeit ( im wesentlichen zwischen 1910 und 1940) sogar ganz ohne Genitalabbildungen aus.
- Erst Mitte des 20. Jahrhunderts setzt sich – zumindest im deutschen Sprachraum – die Erkenntnis durch, dass “schwierige Arten” nur auf Basis einer GU sicher bestimmt werden können, und dem Thema wird in der Literatur auch der entsprechende Raum gewidmet. Ein Beispiel dafür ist der “Forster-Wohlfahrt”, doch noch dort finden sich im Tagfalter- und Spinner-/Schwärmerband nur wenige Genitalabbildungen.

Das war eine Zusammenfassung meines Kenntnisstandes. Was ich jetzt gerne noch wüsste:

- Wer hat’s erfunden? Und bei welcher Insektengruppe? Wer hat die Methodik als erster bei den Schmetterlingen angewendet?
- Trifft es zu, dass die deutschsprachigen Lepidopterologen die Methodik eher zurückhaltend anwandten und wenn ja woran lag das? In welchen Ländern war man da schneller?
- Interessant wäre auch eine Analyse des Themas auf Basis einer guten Übersicht der internationalen Literatur.

Unten ein Ausschnitt aus der Pyrgus-Tafel von Rambur. Die Farbzeichnungen sind qualitativ extrem hochwertig (kolorierte Lithographien oder Stiche?), die Genitalabbildungen sind stark schematisiert dargestellt, aber kenntlich.

Freundliche Grüsse
Martin

Beiträge zu diesem Thema

Historische Betrachtung zur Genitaluntersuchung bei Schmetterlingen *Bild*
Re: Historische Betrachtung zur Genitaluntersuchung bei Schmetterlinge
Re: Historische Betrachtung zur Genitaluntersuchung bei Schmetterlinge
Danke, Jürgen & Hermann! *kein Text*